Wenn du ein Pferd hast, das von Natur aus sehr bewegungsfreudig ist und zudem kein Problem mit Übergewicht, Atmung, etc. hat, kannst du dreimal auf Holz klopfen und dich darüber freuen. Yeah! Aber was, wenn nicht? Ich habe zwei Islandstuten, die beide dazu neigen, schnell dick zu werden. Meine kleine Hugsyn ist zudem eher der ruhige besonnene Typ Pferd. Ihre Bewegungsfreude zu stärken ohne Druck aufzubauen ist extrem schwer. Ich habe schon häufiger gehört, dass das schon klappt, wenn ich mich nur groß mache und Energie ausstrahle. Aber da gibt es einen Haken: Ich habe sie über positive Verstärkung ausgebildet. Sie erwartet von mir schlicht und einfach keinen Druck, weil sie das nicht gewöhnt ist. Wenn ich mich also groß mache, ist sie gespannt auf das, was als nächstes passiert. Das äußert sich bei ihr allerdings nicht in Bewegung sondern in freudigem Abwarten. Zudem standen Leidra und Hugsyn bis vor kurzem für ein Dreivierteljahr auf einer großen Wiese im Sauerland. Ein Grasparadies sondergleichen und dementsprechend sehen sie jetzt auch aus.

Wie ich bislang auf dieses Problem reagiert habe: Mit großem Stress! „Oh mein Gott, bist du dick. Du musst dich echt bewegen.“ Mit dieser Einstellung bin ich zum Stall gekommen und mit dieser Einstellung wollte ich die Lage verbessern. Aber das hat nicht funktioniert. Ich konnte mich gar nicht richtig auf das Training konzentrieren, weil mir der Stress die Sinne vernebelt hat. Deswegen mein erster Rat an dich, wenn du das gleiche Problem hast (ganz im Sinne der Steigerwald.t-schen Philosophie): Hui, lächeln, atmen, weitermachen. Das Problem regelst du nicht von heute auf morgen, sondern mit viel Plan, Änderungen und Gelassenheit. Schritt für Schritt.

Wir sind gerade erst am Anfang unseres Abspeckprogramms, aber ich habe einen Plan. Und mit diesem Plan kann ich die nächsten Schritte tun. Das entstresst mich so ungemein, dass ich es heute gelassener sehen kann, wenn mir andere sagen, wie dick meine Pferde sind. „Ja, ich weiß. Wir arbeiten daran.“ Hier also unser Plan:

  1. Fütterung: Ich habe mir einen lang gehegten Traum erfüllt. Eine elektrische Heuraufe! Jede andere Fütterung hat für mich einfach zu viele Nachteile mit sich gebracht. 24 Stunden Heu am Tag wäre einfach viel zu viel gewesen. Egal wie klein die Maschen sind. Hinzu kommt bei kleinen Maschen ja das Problem, dass sie die Pony-Zähne kaputt machen können. 2-3 Fütterungen am Tag wären mit a) zu wenig (bzw. zu lange Fresspausen) und b) auch viel zu aufwändig gewesen. Dreimal am Tag schaffe ich es nicht zum Stall. Aber richten wir den Blick jetzt auf die Vorteile, die die jetzige Heuraufe hat: Die Pferde werden aktuell sechsmal am Tag gefüttert, was auch die Nacht mit einschließt, ohne dass ich dafür etwas tun muss. Wir müssen nur in regelmäßigen Abständen die Raufe füllen. Es passt ein ganzer Rundballen rein, den wir mit einem groben Netz überziehen, damit kein herausgezogenes Heu den Raufrock (das ist der Mantel, der auf und zu geht) behindert. Ein tolles Teil, kann ich euch sagen.

  1. Bewegungsanreize im Paddock: Ich bin maximal ein paar Stunden pro Tag bei den Pferden. Ihr Leben ist also viel mehr als die Zeit, die ich mit ihnen verbringe. Und da wäre ich schön blöd, wenn ich diese Zeit nicht auch nutzen würde. Dafür brauchte ich natürlich einen Stall, an dem ich selbst Entscheidungen treffen darf. Im eigenen kleinen Pony-Paradies ist das seit August nun möglich. Der Paddock ist als Trail aufgebaut und enthält Wege, die die Ponys bewältigen müssen. So ist der insgesamt eher kleine Platz optimal genutzt. Und seit die Tinkerstute Clown und meine Freundin Luise an unseren Stall gekommen sind, arbeiten wir gemeinsam mit viel Gehirnschmalz und Ideen an einer noch besseren Umsetzung. Die beliebten Orte (Futter, Wasser, Chillplatz) sollen möglichst weit voneinander entfernt sein, sodass die Bewegungsanreize möglichst groß sind. So absolvieren die Ponys ihr Abspeckprogramm ganz von allein. Praktisch oder?
  1. Bewegung für Zusatzfutter: Wir möchten unsere Wiese natürlich nutzen und die Ponys bekommen auch ihr Mineralfutter. Schon wieder Futter? Klasse, denn dieses Futter nutzen wir als Verstärker für Verhaltensweisen in Bewegung. Aktuell rennen wir zwei Runden über den Trail bevor die Ponys auf die Wiese dürfen. Ihr Mineralfutter bekommen sie dann, wenn sie die Wiese wieder verlassen. Das ist wirklich der Knüller! Sogar meine Hugsyn, die sonst so schwer zu bewegen ist, hat Gefallen an der Rennerei gefunden. Nicht selten lässt sie sich zu freudigen Bucklern hinreißen und galoppiert in rasantem Tempo über den Trail. Kleine Änderung, Rieseneffekt. Denn diese Bewegungsfreude wirkt sich auf unser Miteinander aus und es fällt mir mittlerweile viel leichter, mit ihr etwas an Tempo zuzulegen. Zwei Fliegen mit einer Klappe, würde ich sagen!
  1. Bewegung im Training: Natürlich trainieren wir auch ganz regulär an der Kondition und den Muskeln der Ponys. Da wir erst vor zwei Monaten in den neuen Stall gezogen sind, kam das Training bislang noch ein bisschen zu kurz. Aber dafür legen wir bald so richtig los. Unsere Ideen für Training in Bewegung: Spaziergänge (und vielleicht irgendwann sogar richtige Wanderungen) mit dem Trio, Arbeit an Geräten (Matten, Wippen, Drehteller, etc.), Slalom und Kraft- und Koordinationsübungen ohne Geräte. Die Clickerwelt hat sicherlich noch viel mehr zu bieten. Wenn ihr also gute Ideen für neue Übungen habt, immer her damit! Wir freuen uns über Anregungen.

Das ist er also, unser 4-Schritte-Plan. Drei von vier Schritten enthalten Bewegung. BEWEGUNG MIT POSITIVER VERSTÄRKUNG! Mein Fazit ist deshalb: Bewegung ohne Druck ist möglich. Wir müssen dafür aber umdenken, kreativ werden und die Umgebung unserer Pferde so ändern, dass sie Bewegung begünstigt und nicht erschwert. Dann ist es auch wieder möglich, die ganze Sache mit Spaß und Humor anzugehen. Unsere Ponys aus Castroponya geben euch hier einen kleinen Einblick in ihren Rennalltag.